Mimi lebt im Schattenreich
Mein Leben begann in Hagen. Ich bin eine hübsche Schildpattkatze - meine Mama sah auch so aus, sagt man. Natürlich konnte ich, wie alle neugeborenen Katzen, zunächst nichts sehen. Ich roch meine Mama, ich roch meine Wurfgeschwister, und ich trank die köstliche Milch von Mama. Sie hat uns gut versteckt, abseits vom Verkehr und von den Menschen. Menschen gibt es hier genug, sie füttern uns und meinen, damit ist alles getan.Über etliche Jahre geht das schon so, sagte Mama. Wir Katzen freuen uns über das Futter und wir tun das, was alle Katzen tun: wir vermehren uns - unendlich und oft mit unseren Geschwistern. "Inzucht" nennen es die Menschen. Auch ich bin wohl ein Opfer davon, denn niemand kümmert sich darum, dass wir Katzen rechtzeitig kastriert werden.
Eines Tages habe ich meine Mama verloren. Riechen konnte ich sie nicht mehr und sehen auch nicht, obwohl ich von meinem Alter her eigentlich schon gut hätte sehen müssen. Ich fühlte mich schrecklich einsam und rief nach ihr. Irgendwann kam ein Mensch, nahm mich auf den Arm und beruhigte mich mit liebevollen Worten. Der Mensch nahm mich mit nach Hause und gab mir Futter.
Niedlich war ich, wie alle Katzenbabys. Ich reagierte auf Geräusche, auf einen Luftzug. Ansonsten "angelte" ich mit meinen Pfötchen orientierungslos in der Luft ...
Mimi ist blind - aber sie hat inzwischen ein gutes Zuhause bei lieben Menschen gefunden, die sie trotz ihrer Behinderung lieben und sie so akzeptieren, wie sie ist.